Du hast eine offene Küche. Die Gäste sehen jeden Handgriff, jedes Anrichten, jeden Moment. Transparenz pur – zumindest nach außen. Aber wie sieht es hinter den Kulissen aus? Wie läuft die Kommunikation in deiner Brigade wirklich? Ich sage dir aus 30 Jahren Erfahrung: Die meisten Küchen sind kommunikativ so offen wie ein zugeschweißter Kühlraum.
Da wird geschrien statt gesprochen, geschwiegen statt geklärt, und am Ende wundert sich jeder, warum die Fluktuation so hoch ist. Gute Leute gehen nicht wegen dem Geld. Die gehen, weil sie das Gefühl haben, dass ihre Stimme nichts zählt. Und das ist ein Problem, das dich direkt ins Portemonnaie trifft – bei jedem neuen Mitarbeiter, den du einarbeiten musst.
Feedback ist kein Jahresgespräch – sondern tägliche Mise en place
Vergiss diese HR-Fantasie vom strukturierten Mitarbeitergespräch einmal im Jahr. In unserer Branche passiert alles schnell. Der Service läuft, die Tickets kommen rein, und wenn etwas nicht stimmt, merkst du es sofort – oder eben nicht. Feedback muss genauso selbstverständlich sein wie deine tägliche Mise en place. Vor dem Service kurz zusammenkommen, nach dem Service kurz reflektieren. Kein Drama, keine Anklage, einfach: Was lief gut? Was können wir morgen besser machen?
„Wer nur kritisiert, wenn es knallt, hat keine Feedback-Kultur – sondern eine Angst-Kultur."
Das bedeutet auch: Lob aussprechen, wenn es angebracht ist. Ich weiß, das fällt vielen schwer. Wir sind es gewohnt, Fehler zu benennen, aber selten sagen wir: 'Hey, der Pass lief heute wie geschmiert, starke Leistung.' Dabei kostet dich das nichts außer drei Sekunden deiner Zeit – und bringt dir Loyalität, die du mit keiner Gehaltserhöhung kaufen kannst.
Schaffe Räume, in denen ehrliche Worte möglich sind
Jetzt kommt der Teil, den viele Chefs nicht hören wollen: Deine Mitarbeiter trauen sich nicht, dir die Wahrheit zu sagen. Nicht weil sie feige sind, sondern weil sie gelernt haben, dass Kritik nach oben Konsequenzen hat. Schlechtere Schichtpläne, weniger gute Stationen, unterschwellige Bestrafung. Wenn du das nicht aktiv durchbrichst, bekommst du nie echtes Feedback.
- Frag konkret nach Verbesserungsvorschlägen – und reagiere nicht defensiv
- Führe kurze Stand-ups ein: 5 Minuten vor dem Service, 5 Minuten danach
- Gib selbst zu, wenn du einen Fehler gemacht hast – das öffnet Türen
- Trenne Feedback von Bewertung – nicht jedes Gespräch muss Konsequenzen haben
Eine offene Feedback-Kultur entsteht nicht durch ein Poster im Personalraum. Sie entsteht, wenn der Souschef dem Chef sagen kann, dass die neue Karte zu kompliziert ist – und der Chef zuhört statt explodiert. Sie entsteht, wenn der Azubi eine Idee hat und nicht ausgelacht wird. Das ist echte Teamarbeit, nicht dieses hohle Gerede aus Management-Seminaren.
Warum das direkt auf deinen Wareneinsatz wirkt
Du fragst dich vielleicht, was Feedback mit deinen Zahlen zu tun hat. Alles. Ein Team, das miteinander redet, macht weniger Fehler. Weniger Rückläufer, weniger Reklamationen, weniger Stress am Pass. Und Stress führt zu Schlamperei, Schlamperei führt zu Verschwendung, Verschwendung frisst deinen Wareneinsatz auf. Ganz einfache Kette.
Dazu kommt: Mitarbeiter, die gehört werden, bleiben länger. Und jeder, der geht, kostet dich Zeit und Geld für Recruiting, Einarbeitung, verlorenes Wissen. Stammgäste merken das auch – wenn ständig neue Gesichter da sind, schwindet das Vertrauen. Dein F&B-Bereich lebt von Kontinuität, und Kontinuität lebt von Menschen, die gerne bei dir arbeiten.
Mein Fazit
- Feedback gehört in den Alltag – nicht ins Jahresgespräch
- Lob kostet nichts und bringt Loyalität
- Schaffe sichere Räume für ehrliche Worte – das fängt bei dir an
- Offene Kommunikation senkt Fluktuation, Fehler und letztlich deinen Wareneinsatz
Also, Hand aufs Herz: Wann hast du das letzte Mal einen deiner Leute gefragt, was du als Chef besser machen könntest – und die Antwort wirklich angehört?