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Zahlen · Text · 12. Mai 2026

RevPAR ist nicht alles — was Hoteliers wirklich messen sollten

Jeder Revenue Manager schwört auf RevPAR. Jede Hotelkette feiert sich für steigende Werte. Und ja, ich verstehe das — die Kennzahl ist simpel, vergleichbar, sieht gut aus in Präsentationen. Aber nach über 30 Jahren in dieser Branche sage ich dir: RevPAR allein ist wie ein Blutdruckmessgerät, das nur den oberen Wert anzeigt. Du bekommst ein Bild, aber nicht das ganze.

Das Problem? Zu viele Hoteliers optimieren auf eine Zahl, die ihnen am Ende des Monats nicht sagt, ob sie wirklich Geld verdient haben. Du kannst einen fantastischen RevPAR haben und trotzdem rote Zahlen schreiben. Weil die Kosten explodieren, die Brigade ständig wechselt, der F&B-Bereich vor sich hin dümpelt und deine Stammgäste leise verschwinden.

Der blinde Fleck: Was hinter der Zimmertür passiert

RevPAR misst Umsatz pro verfügbarem Zimmer. Punkt. Er sagt dir nichts über deinen tatsächlichen Gewinn pro Gast. Er ignoriert komplett, was im Restaurant passiert, an der Bar, beim Frühstück. Und genau da liegt oft das echte Potenzial — oder das echte Problem.

Ich habe Hotels gesehen, die stolz auf 85% Auslastung waren, während der Wareneinsatz im F&B bei 38% lag und die Fluktuation in der Küche so hoch war, dass die Mise en place jeden Morgen neu erfunden werden musste. Das kostet. Richtig viel Geld.

„Ein voller Schichtplan bringt nichts, wenn jeden Monat drei neue Gesichter darin stehen."

Diese Kennzahlen verdienen deine Aufmerksamkeit

Fang an, die richtigen Fragen zu stellen. Nicht: Wie hoch ist mein RevPAR? Sondern: Wie profitabel ist jeder einzelne Gast über seinen gesamten Aufenthalt? Was bleibt wirklich übrig, wenn alle Kosten bezahlt sind?

  • GOPPAR (Gross Operating Profit per Available Room): Zeigt dir, was nach den operativen Kosten übrig bleibt — nicht nur, was reinkommt.
  • TRevPAR (Total Revenue per Available Room): Bezieht F&B, Spa, Parkplätze und andere Umsätze mit ein. Endlich das ganze Bild.
  • Mitarbeiterfluktuation: Jeder Abgang kostet dich 3-6 Monatsgehälter, wenn du ehrlich rechnest. Recruiting, Einarbeitung, verlorenes Know-how.
  • Gästebindungsrate: Wie viele kommen wieder? Stammgäste haben niedrigere Akquisekosten und höhere Umsätze pro Aufenthalt.
  • Wareneinsatz im F&B: Liegt er über 30%? Dann hast du ein Problem, das kein noch so guter RevPAR kaschieren kann.

Warum das keiner hören will

Ich weiß, warum RevPAR so beliebt ist: Er ist einfach. Eine Zahl, die jeder versteht, die sich gut vergleichen lässt. Die anderen Kennzahlen? Die erfordern, dass du hinschaust. Dass du mit der Küche redest, den Schichtplan analysierst, die echten Kosten kalkulierst.

Aber genau das unterscheidet die Häuser, die langfristig erfolgreich sind, von denen, die irgendwann verkauft werden müssen. Die besten Hoteliers, die ich kenne, haben ein Dashboard im Kopf — nicht nur für Zimmer, sondern für das ganze Haus. Sie wissen, was ein Frühstück wirklich kostet, wie lange ein guter Mitarbeiter bleibt, welcher Stammgast welchen Wein trinkt.

„RevPAR ist eine Schlagzeile. GOPPAR ist die Geschichte dahinter."

Was du morgen anders machen kannst

Du brauchst keine teuren Systeme dafür. Fang mit einer simplen Excel-Tabelle an. Tracke einen Monat lang: Was hat jeder Gast insgesamt ausgegeben? Wie hoch waren die direkten Kosten dafür? Wie viele Mitarbeiter haben im letzten Quartal gekündigt? Wie viele Gäste waren zum zweiten Mal da?

Diese Zahlen werden dir Dinge zeigen, die RevPAR nie verraten würde. Vielleicht stellst du fest, dass deine Online-Bucher zwar das Zimmer nehmen, aber nie im Restaurant sitzen. Oder dass die Gäste von der einen OTA immer zwei Nächte bleiben, die von der anderen nur eine. Das sind die Insights, mit denen du echte Entscheidungen treffen kannst.

Mein Fazit

  • RevPAR ist nicht nutzlos — aber er erzählt nur einen Teil der Geschichte. Wer sich nur darauf verlässt, optimiert an der Oberfläche.
  • Schau auf GOPPAR, TRevPAR, Fluktuation, Gästebindung und Wareneinsatz. Diese Kombination zeigt dir, wo du wirklich stehst — und wo die Hebel für echten Profit liegen.

Jetzt würde mich interessieren: Welche Kennzahl hast du viel zu lange ignoriert — und was hast du entdeckt, als du endlich hingeschaut hast?

Wenn du willst —

Reden wir 30 Minuten. Klartext.

Wenn dieser Text dich getroffen hat — schreib mir, was dich beschäftigt. Erstgespräch kostet nichts, ich antworte persönlich. Wenn ich nicht der Richtige bin, sag ich das auch.

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