Bei Insolvenz-Zahlen wird in der Branche schnell alles in einen Topf geworfen: Insolvenzen, Schließungen, Geschäftsaufgaben, Betriebe, die still verschwinden. Das klingt dramatisch. Aber wenn du daraus Entscheidungen ableiten willst, musst du sauber trennen.
Der belastbare Punkt: CRIF erwartete für 2024 rund 1.190 Insolvenzen in der deutschen Gastronomie. Das wären mehr als 30 Prozent über dem Vorjahr. Gleichzeitig berichtete Creditreform, dass seit 2020 zehntausende Gastronomiebetriebe vom Markt verschwunden sind. Das sind nicht alles Insolvenzen — aber es ist dieselbe Botschaft: Der Druck bleibt hoch.
Quellencheck: CRIF-Prognose Gastronomie 2024; Creditreform-Auswertungen zu Schließungen und Insolvenzen seit 2020. Deshalb steht hier bewusst nicht „tausende Insolvenzen", wenn eigentlich Marktaustritte gemeint sind.
Was diese Zahl für deinen Betrieb bedeutet
Eine Insolvenz beginnt selten mit dem Brief vom Amtsgericht. Sie beginnt früher: wenn Preise nicht angepasst werden, wenn der Wareneinsatz nur gefühlt stimmt, wenn Dienstpläne jede Woche improvisiert werden, wenn der Betreiber sich selbst nicht mehr ehrlich bezahlt.
Die wichtigste Frage ist deshalb nicht: „Wie schlecht ist die Branche?" Die wichtigste Frage ist: „Wo ist mein Betrieb blind?"
Was du jetzt prüfen solltest
- Break-even: Welchen Nettoumsatz brauchst du pro Monat, bevor überhaupt Gewinn entsteht?
- Wareneinsatz: Welche fünf Artikel fressen Marge, obwohl sie beliebt aussehen?
- Personalkosten: Welche Schichten laufen regelmäßig unter Wasser?
- Preise: Wann wurde die Karte zuletzt mit echten Einkaufspreisen kalkuliert?
- Struktur: Wo hängt zu viel an dir persönlich?
Wenn du diese Fragen nicht schnell beantworten kannst, ist das kein Drama. Aber es ist ein Signal. Genau dafür gibt es die Bestandsaufnahme: kurz, ehrlich, ohne Verkaufstheater.